Moderne Schulfachfindung

Moderne Schulfachfindung

Wenn man verstanden hat, dass das Bildungssystem von heute aus dem Zeitalter der Industrialisierung hervorgeht. Wenn man verstanden hat, das ein Bildungssystem immer gewissen Zwecken dient- ja, uns dienen sollte.

Dann stellt sich automatisch die Frage, welchem Zweck das Bildungssystem von heute dienen soll. Jetzt, wo die Wahrscheinlichkeit zu verhungern (zumindest in Europa) gegen Null geht, wird es nicht mehr das Ziel sein, nicht verhungern zu müssen oder eine gesicherte Arbeitsstelle zu bekommen. 

Erwiesenermaßen sind Problemlösefähigkeiten für die kommende Generation von unschätzbarem Wert. Aber nicht nur das. Wie kommen wir nun auf einen legitimen Zweck des Bildungssystems im 21. Jahrhundert?

 

Lasst uns an der Wurzel/an der Ursache beginnen:

Welche Kenntnisse braucht der Mensch um (später einmal) unabhängig von seinen Eltern zu sein?

Diese Fragestellung führt uns zwangsläufig zur Auffindung von benötigten Schulfächern.

Vorneweg: Unabhängig von den Eltern sein zu können, das soll nicht bedeuten, zum kompletten Einzelgänger werden zu müssen. Denn es soll nicht heißen, dass man als aufgeklärter Mensch nicht Hilfe annehmen dürfte. Es ist in einem solchen Fall vielmehr so, dass man bemerkt, dass man Hilfe braucht und sich dann adäquate Hilfe holt.

Kinder zu unabhängigen Individuen zu erziehen, sie nicht nur ins Alter des Erwachsen Seins zu begleiten sondern sie wirklich zu verantwortungsvollen Erwachsenen zu „machen“ (die sich Ihrer eigenen Vernunft/Verantwortlichkeit/Stärke bedienen) – ist eine nicht zu unterschätzende Kunst.

 

Dies ist sicherlich keine leichte Aufgabe und es gibt dafür talentierte und nicht so talentierte Menschen (also Lehrer im weitesten Sinn). Ganz gewiss kann man mit der wohlüberlegten Zielsetzung und einer klaren Intention schon viel erreichen.

Die Gründe für das Erziehen zu unabhängig Denkenden und agierenden Menschen und die Bedeutung dessen kläre ich nicht hier (sondern Hier).

Es soll nun darum gehen, dass mit der Erforschung der nötigen Kenntnisse zu einer Schulfachbenennung gefunden wird, die den menschlichen Bedürfnissen Rechnung trägt. Dies ist gezielt offen formuliert, um den Rahmen des Vorstellbaren und Sagbaren zu öffnen.

 

So sind Lesen und Rechnen können aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken, denn es eröffnet den Zugang zu Wissenswelten. Gleichzeitig ist es möglich, dass es eine Vielzahl von Fächern geben könnte, deren (aktuelle) Wichtigkeit erst bemerkt werden müsste, benannt und anerkannt.

Kurz: 1) Das Wissen um die mindestens zu vermittelnden Inhalte für ein geglücktes Leben führt zu den benötigten Schulfächern und Bildungsplänen.

2) Ein wirklich breitgefächertes Angebot an „Schnupper“Kursen zu diversen Fachbereichen macht Talent oder Interessen Aufspürung einfacher.

3) Die gefundenen persönlichen Talente und (temporären) (Forschungs-)Interessen sind besonders zu fördern, was in entsprechender zeitlicher Gewichtung (in Relation zur Grundbildung) mündet.

 

Ziel ist also vor allem das gestärkte, selbstbewusste und mitfühlende Individuum; Benotungen von diesen Fähigkeiten sind ohne Frage gänzlich unpassend (da es ja rein um die Bildung geht und nicht um Bewertung; das eine ist mitmenschlich, das andere beruht auf Machtausübung die den o.g. Zielen im Weg steht.)

Berücksichtigt gehört dabei auch ein Bewusstsein für die Werte, für die eine Kultur einstehen möchte und wie diese praktisch erreicht werden können. Hier reicht es wie so oft im Leben nicht, bei der Theorie oder dem Luftschloss von hier bspw demokratiefähigen Menschen zu sprechen und als Ideal hoch zu halten, ohne praktisch umsetzbare Wege aufzuzeigen. Zu solch einem Ideal gehört zwangsläufig die gewissenhafte Aufarbeitung der Frage, wie dies zu erreichen ist, also was ein solches Verhalten verursacht. Die Ursachensuche ist unabdingbar um zum Erfolg zu führen. Man kann sich auch für trial and error entscheiden – es gibt ja nie nur eine Möglichkeit. 😉

 

Wer sich nun fragt, was mögliche Ursachen für demokratiefähige Menschen sein könnten und wie man diese human fördern kann klickt hier.

 

 

 

 

Warum wird eigentlich bislang häufig benotet?

Gerne wird das Argument aufgeführt, dass Benotung dem Lernenden vermittelt, wo dieser stünde, d.h. wie gut oder schlecht er etwas verstanden hat. Ferner soll es dem Lehrenden zeigen, wo Förderbedarf besteht.

 

Lernende merken eigentlich sehr gut selbst, wo sie etwas nicht verstehen und wo Unklarheiten sind. Es sind diese Stellen, wo man einfach nicht weiterkommt (ohne Hilfe von außen oder eben entsprechende Rückfragen, deren Beantwortung im Idealfall die Unsicherheit vertreiben kann).  Wenn sie also diese Regung in sich wahrnehmen, dann wissen sie sehr wohl um ihren Kenntnisstand.

Lehrende können bei Durchsicht der Arbeiten auch fehlendes Wissen aufspüren, ohne dies direkt bewerten zu müssen. Ein Vermerk in einer Schülerakte würde vollkommen ausreichen. „da und da scheint etwas nicht verstanden worden zu sein, ich werde mich um erneute Auseinandersetzung mit dem Thema bemühen“ oder auch bei Bemerken, dass viele es nicht verstanden haben in einer Lerneinheit zu dem Schluss kommen können: Hier scheine ich es nicht gut/sauber/einfach genug erklären zu können. Vielleicht finde ich besser erklärendes Material an anderer Stelle.

 

Im Endeffekt wird eine Benotung nur für eines benötigt: für eine Zeigbarkeit nach Außen, für Dritte. Dass diese sich ein Bild machen können von dem Wissensstand des Lernenden. Konkret können das Eltern Arbeitgeber Universitäten oder auch Mitschüler untereinander sein.

Hierbei stoßen wir jedoch sehr schnell auf die Problematik der objektiven Glaubwürdigkeit einer solchen Benotung. Solange derartige Bewertungen von einem mehr oder weniger voreingenommenem, befangenem Individuum getroffen werden; solange diese von Schule zu Schule, ja Klasse zu Klasse verschiedene bewertende Individuen sind; solange sind die entstehenden Noten schlicht nicht vergleichbar.

Ich würde sagen, dass sie für alle Parteien wertlos sind.

Nicht überzeugt? Was bringt einem Arbeitgeber ein potentieller Angestellter, der in entsprechenden Fächern brilliert, jedoch seine Grenzen nicht kennt und nach fünf Jahren im Burnout landet und fortan immer wieder krank ausfällt? Zu Recht möchte man nur verlässliche erfolgversprechende Kandidaten mühsam einlernen und integrieren.

Was nutzt einer Universität ein potentieller Student, der sich im Auswendiglernen Können erwiesen hat, jedoch nicht eigenständig Denken gelernt hat und es auch als Forscher und Professor gar nicht zu bahnbrechenden reputationsstärkenden Forschungsergebnissen bringen kann?

Und was bringt es einem Elternteil nur zu wissen, was ein Lehrer von der Leistung eines Schülers hält, wenn dieser dann im Endeffekt erstmal selbst alles fürs Leben Nötige beibringen muss?

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